Windenergietage NRW 2018

Ein Rückblick

Windenergie ausbauen, Akzeptanz sichern

Der Redebedarf auf den 7. Windenergietagen NRW war hoch: Der neue Windenergieerlass der schwarz-gelben Landesregierung und die damit verbundenen drohenden Mindestabstände haben unter den Windkraftakteuren für viel Verunsicherung gesorgt. Auf dem zentralen Branchentreff in Bad Driburg wurde daher ein kritischer Blick auf die Zukunft der Windenergie geworfen. Mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich über die Entwicklungen der politischen Rahmenbedingungen, Neues aus der Anlagentechnik und Trends in der Branche informiert.

In insgesamt zwölf Foren standen Vorträge aus den unterschiedlichsten Bereichen der Windenergie auf dem Programm. Über drängende rechtliche Fragen, mögliche Entwürfe für ein Energiemarktdesign der Zukunft und intelligente Netze hinaus war auch das Thema Akzeptanz ein Schwerpunkt. Neben dem Vortragsprogramm präsentierten sich außerdem rund 40 Aussteller auf der angeschlossenen Messe den Betreibern, Projektierern und Herstellern mit ihren Angeboten.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellte Klaus Schulze Langenhorst, stellvertretender Vorsitzender des LEE NRW, in seiner Begrüßungsrede fest, dass die neuen Vorschriften der schwarz-gelben Landesregierung vor allem eines schaffen: Rechtsunsicherheit. „Und das in einer Zeit, in der wir angesichts des drohenden Klimawandels den Ausbau der Windenergie dringender benötigen denn je“. Auch im Hinblick auf den anstehenden Kohleausstieg sei es jetzt an der Zeit umzudenken: „Wenn die Politik uns lässt, kann die Windenergie die Kohle ersetzen“, so Schulze Langenhorst. Denn nicht zuletzt schaffen die Erneuerbaren Energien – neben ihrem Beitrag zum Klimaschutz – auch zukunftsfähige Arbeitsplätze. Und die werden vor allem in den vom Strukturwandel betroffenen Regionen dringend benötigt.

Gegenposition bezog stellvertretend für die Landesregierung Christoph Dammermann, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Aus Sicht der NRW-Koalition sind die Gründe für die verfehlten Ausbauziele des vergangenen Jahres nicht auf Landesebene zu finden, sondern vor allem eine Folge der Bundespolitik. Eine grundsätzliche Windkraft-Feindlichkeit der Landesregierung will Dammermann sich nicht vorwerfen lassen. Vielmehr sehe er die landespolitischen Ambitionen, Akzeptanz für die Energiewende zu schaffen, durch das neue Energiesammelgesetz der Bundesregierung noch bestätigt. Die pauschalen 1500 Meter Abstände, die laut Landesregierung für mehr Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung sorgen sollen, stoßen bei der Branche jedoch auf heftigen Widerspruch.

„Höhere Abstände führen nicht zu mehr Akzeptanz, das ist auch wissenschaftlich klar belegt“, so Schulze Langenhorst. Sein Vorschlag: Stattdessen sollten Bürgerinnen und Bürger mehr Mitspracherecht erhalten und eine kommunale Beteiligung an der Wertschöpfung der Windenergie geschaffen werden.

Dass die Branche bereits aktiv daran arbeitet, wurde auch im weiteren Verlauf der Veranstaltung deutlich. Ob Artenschutz durch neue Technologien, Einbindung von Beteiligungsmöglichkeiten in Projekten oder bürgernahe Vermarktungsmodelle – die Branche beweist, dass sie bereits vielfältige Möglichkeiten zum Akzeptanz-Erhalt verfolgt. Das Schlechtreden der Windnutzung ist keine davon.