Windenergietage NRW 2017

Ein Rückblick

Gutem Zubau droht abruptes Ende

Die Windenergietage NRW standen 2017 ganz unter dem Eindruck der Bundestags- und Landtagswahl. Während die gescheiterte Jamaika-Verhandlung zu einer enormen Verzögerung in der Energiepolitik führen wird, hat die im Frühjahr neu gewählte, schwarz-gelbe Landesregierung angekündigt, die Windenergie in Nordrhein-Westfalen massiv ausbremsen zu wollen. Beim alljährlichen Branchentreffen in Bad Driburg waren die Windmüller daher alarmiert.

Klaus Schulze Langenhorst, stellvertretender Vorsitzender des LEE NRW und Sprecher für den Fachbereich Windenergie, zeigte sich angesichts des Scheiterns der Jamaika-Koalition in Berlin und der Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunde erschüttert.

Klaus Schulze Langenhorst in seiner Eröffnungsrede: „Ab Mitte 2018 droht der Windenergie in NRW dank des mangelhaften Ausschreibungsdesigns ein massiver Einbruch, wenn politisch nicht schleunigst gegengesteuert wird. Wenige spekulativ agierende, große Unternehmen haben sich Fehler im System zu Nutze gemacht und beherrschten so die ersten Ausschreibungsrunden. Kleinere echte Bürgergesellschaften waren chancenlos. Daran ändert auch die dritte Runde nichts. Zwar war NRW mit 17 Geboten und rund 270 Megawatt vermeintlich erfolgreich, aber ob diese Projekte wirklich realisiert werden, steht in den Sternen. Einerseits bergen die langen Umsetzungszeiten von über 4 Jahren für diese bezuschlagten, aber noch nicht genehmigten Projekte, gerade vor dem Hintergrund der restriktiven Haltung der Landesregierung, enorme genehmigungstechnische Risiken. Andererseits zeigen die sehr niedrigen Gebotspreise deutlich spekulative Ansätze auf steigende Strompreise, die bislang aufgrund des fehlenden Marktdesigns keineswegs sicher sind. Fakt ist, dass mindestens in den nächsten drei Jahren keines dieser Projekte realisiert wird, weswegen wir hier von der Politik Verantwortungsbewusstsein erwarten, um gegebenenfalls durch eine Parlamentsinitiative aus dem Bundestag das Schlimmste zu verhindern: Einen Strukturbruch in Nordrhein-Westfalen, den doch wirklich niemand wollen kann.“

Neben den bundespolitischen Rahmenbedingungen standen auch die neuen Herausforderungen im Land auf dem Programmplan. Zu Beginn der Windenergietage NRW 2017 lockte die politische Podiumsdiskussion zu den Perspektiven des Windenergieausbaus in NRW die rund 450 Teilnehmenden in den Hauptsaal. Als Diskutanten waren Vertreterinnen und Vertreter der NRW-Landtagsfraktion von CDU, SPD, FDP und Grünen zu Gast.

Jan Dobertin, Geschäftsführer des LEE NRW, sah auf Landesebene zwar erste positive Signale, aber auch noch viel Handlungsbedarf: „Wir begrüßen es, dass Minister Pinkwart sich im Bund für eine Neuordnung des Ausschreibungssystems einsetzen will. Gleichzeitig hat die Landesregierung allerdings mit überzogenen Abstandsforderungen, einem weitreichenden Waldverbot und weiteren angekündigten Maßnahmen gegen die Windenergie die Branche erschüttert und in den Kommunen Verunsicherung gestiftet. Das gilt es zu korrigieren, wenn wir einen akzeptanzstarken und kontinuierlichen Ausbau sicherstellen wollen. Die Branche steht bereit daran mitzuarbeiten und sich der gesellschaftlichen Verantwortung zum Gelingen der Energiewende zu stellen. Die Windenergie kann gerade im verbrauchsintensiven Industrieland NRW, dank des schon jetzt sehr gut ausgebauten Stromnetzes, den kostengünstigen und klimafreundlichen Strom auch für Wärme und Mobilität bereitstellen.“

Die energiepolitische Sprecherin der Grünen, Wibke Brems, äußerte ihre Befürchtung in der Podiumsrunde, dass der Windenergie in NRW eine Fesselung droht und forderte die Landesregierung auf, ihre Blockade aufzugeben und sich für den Wirtschaftsstandort NRW auch bei der Windenergie einzusetzen. Dietmar Brockes, Sprecher für Industrie und Energie der FDP-Landtagsfraktion sieht es als zwingend notwendig an, auch beim Ausbau der Windenergie für die notwendige Akzeptanz zu sorgen. Auch CDU- Landtagsmitglied Dr. Christian Untrieser betonte, dass der Ausbau in NRW nur mit Maß und Mitte weitergehen könne. Der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Michael Hübner, entgegnete hingegen, dass die Energiewende in den Städten und Gemeinden vor Ort gelingt und befürchtet, dass Änderungen im LEP und der angepasste Windkrafterlass die Ziele der Energiewende gefährden.

Neben der politischen Debatte boten die Windenergietage NRW auch im Jahr 2017 wieder viel Raum für interessante Diskussionen, neue Ideen, neue Technik und gewinnbringende Kontakte. Ob auf der großen Messe mit über 50 ausstellenden Unternehmen oder in den Vorträgen, Workshops und Panels mit über 50 Vortragenden und Moderierenden – die Gäste der Windenergietage NRW 2017 kamen bei den 56 Programmpunkten voll auf Ihre Kosten.